Revierbeschreibung - El Gouna **** Quelle: kitesurfing-kiel  
 

Eine Kurzreise nach El Gouna / Ägypten. Es hat sich ja bereits herumgesprochen, dass diese kleine Laguna ca. 30km nördlich von Hurghada ideal für Kitesurfer sein soll. Trotzdem waren meine Erwartungen bezüglich Landschaft, Hotels und Drumherum nicht besonders hoch. In Hurghada angekommen fühlte ich mich dann gleich bestätigt. Chaos am Flughafen und überall sichtbare Spuren rücksichtsloser Zivilisation. Das touristische Leben spielt sich mehr oder weniger in Ressorts ab. Nach einer abenteuerlichen Busfahrt in einem wartungsbedürftigen Kleinbus erreicht man ca. in einer halben Stunde El Gouna.

Doch hier wandelt sich das Bild innerhalb weniger Kilometer. Man befindet sich plötzlich in einer wunderschön angelegten Laguna mit unzähligen Kanälen und Seen. Es gibt zwar vereinzelt ein paar kleinere Baustellen, aber das Gesamtbild des Örtchens ist bis ins letzte Detail liebevoll und mit Stil angelegt. Obwohl El Gouna eine reine Retortenstadt ist, sucht man vergebens architektonische Ausrutscher. Massentourismus konnte ich nirgendwo beobachten. Man fragt sich sogar eher, wer die vielen netten Geschäfte und Lokalitäten besuchen soll. Die Restaurants rund um die Marina sind durchweg empfehlenswert und dazu noch sehr preisgünstig. Den Abend kann man in zahlreichen Bars mit Blick auch die Marina mit Luxusyachten ausklingen lassen. Natürlich gibt es neben dem Kitesurfen auch eine Vielzahl an zusätzlichen Aktivitäten. So kann man auf der Gokartbahn mal so richtig Gas geben, Tauchen, Reiten, Golfen und diverse Bootstouren machen. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Freundlichkeit der Einheimischen, die sichtbar Spaß daran haben, Ihren Gästen einen perfekten Aufenthalt zu bieten. Viele sprechen sogar überraschend gut Englisch, so dass man einen näheren Einblick über Land und Leute gewinnt.

Hinweis:
Beim Klick auf ein Bild kommt man auf den Server von Kitesurfing Kiel, auf dem die Originalbilder liegen - tut man normalerweise nicht!
(Ich hoffe, man verzeiht mir im Interesse der vielen Kiter, die dieses Revier gern besser kennen lernen möchten!)
Dort liegen übrigens 77 Fotos (800x600)!

 

Das Kitesurfen:

Am nördlichen Strand von El Gouna befindet sich der Kitebeach bzw. Mangrovi Beach. Hier betreibt der deutschsprachige Ägypter Hrabi eine Kitesurfschule und eine wunderschöne Beachbar. Man kann seine komplette Kitesurfausrüstung bei ihm einlagern und muss sich für den Rest des Urlaubs keine Gedanken mehr darüber machen. Mehrere Mitarbeiter sind 24 Stunden vor Ort. Der Strand ist privat und der Preis für die Benutzung des Strandes und die Lagerung beträgt 25 Euro pro Woche (45 Euro für zwei Wochen). Jeder Kitesurfer bekommt eine ausführliche Reviereinweisung. Inklusive ist ein sehr gut organisierter Lande- und Startservice, der auch permanent für die Sicherheit auf dem Wasser sorgt. Ein Boot ist vor Ort und darüber hinaus gibt es klare Spielregeln für alle Kitesurfer. So werden Kites nur im Wasser gestartet und gelandet. Das Laufen auf dem Strand mit einem Kite in der Luft ist strengstens verboten. Es gibt einen markierten Bereich, wo der stehtiefe Bereich von Steinen und sehr spitzen und gefährlichen Muscheln befreit wurde. Trotzdem sollte man wegen der spitzen Killermuscheln stets Schuhe tragen.

Auf dem Strand gibt es reichlich Platz und so gut wie keine gefährlichen Hindernisse. Der Spot an sich ist ein reines Flachwasserrevier. Die ersten 250-300 Meter sind meist hüft- bis knietief (im Winter, sonst seichter). Bei Ebbe kann der komplette Bereich auch schon mal leer laufen. Wer in diesem Bereich springen möchte, sollte sicherheitshalber eine Prallweste mitnehmen. Der Flachwasserbereich geht dann relativ abrupt in einen tiefen Bereich über, wo man trotzdem auf einzelne Riffanteile vor dem Springen achten sollte. Hier kann das Wasser bei stärkerem Wind auch mal etwas choppy werden. Eine richtige Welle findet man so gut wie gar nicht. Das Kitesurfen in Lee jenseits der letzten Markierungsfahne wird nicht gerne gesehen, da dieser Bereich für Badegäste reserviert ist, die jedoch generell kaum am Mangrovi Beach anzutreffen sind, obwohl der Strand sehr schön ist und viele kleine Pavillons mit Liegen auch für Badegäste ideale Voraussetzungen bieten. Weiter nördlich in Luv gibt es jedoch endlos viel Platz für die eine oder andere Soulsession.

Der Wind kommt fast ausschließlich sideshore von links, soll angeblich den ganzen Sommer durchgehend aktiv sein und nur im Winter für mehrere Tage am Stück aussetzen. Ich hatte in einer Woche (März) 1 Tag mit Wind für einen 18er, 3 Tage für einen 12er, 2 Tag für einen 8er und nur einen Tag ganz ohne Wind. Wenn der Wind kommt, dann weht er meist den ganzen Tag durch. Bei Tendenz zu weniger Wind sollte man die Morgenstunden nicht versäumen. Darüber hinaus scheint es bei Vollmond tendenziell weniger Wind zu geben. Auch das Leerlaufen der Lagune spricht für eine schlappe Windausbeute. In El Gouna gibt es aber keine zuverlässige Windvorhersage - und Prognosen im Internet kann man getrost vergessen. Der Wind kann innerhalb weniger Stunden kommen und gehen. Killerböen gibt es nicht, nur wenn der Wind sideoffshore kommt, kann es etwas ruppig werden (meist vormittags). Ansonsten ist der Wind sehr konstant und sehr kraftvoll. Man sollte auch anfangs nicht so übermütig große Kites hoch ziehen, es hat meist mehr Wind, als man vermutet. Außerdem sollte man vorsichtig beim Springen im Flachwasserbereich sein. Der Wind ist ideal für richtig hohe und weite Sprünge.

Hrabi bietet zusätzlich 1mal pro Woche für 20 Euro einen Bootstrip zu einer einsamen Insel an (Tavila), wo man mit Sicherheit eine unvergessliche Session erlebt. Zwar ist die Überfahrt mit 90 Minuten sicher nicht für jeden Magen eine Freude, aber es gibt Tabletten und man wird mit perfekten Kitesurfbedingungen in einer traumhaften Lagune, sowie ein super leckeres Mittagessen an Board ausreichend entschädigt. Das Ganze ist jedoch etwas kultig, man sollte also auf gar keinen Fall eine Luxusyacht erwarten. Dennoch war dieser Trip ein echtes Highlight und ist auch für seefeste Nichtkiter empfehlenswert.

Generell sollte man sich nicht scheuen, Kontakt zu den Jungs von der Kiteschule aufzunehmen oder nach Hilfe zu fragen. Hrabi versucht jeden Wunsch zu erfüllen und auch das Personal ist stets bemüht, eine nette und gelassene Atmosphäre am Strand zu schaffen. So hat ein Mitarbeiter in kürzester Zeit für umgerechnet 10 Euro meine Fronttube professionell geflickt und ein Loch am Ventil gefunden, das ich nie entdeckt hätte.

Es gibt aber noch einen weiteren Spot in El Gouna. So sieht man weiter südlich am Hotel Mövenpick gelegentlich ein paar Kites am Himmel. Das Hotel sowie der Strand liegen jedoch etwas in der Abdeckung von El Gouna.

 
 

Hotels und Gastronomie:

Ich kann das Captains Inn (Koop. mit Turtels Inn) nur sehr empfehlen. Es ist das beste drei Sterne Hotel, das ich je erlebt habe. Sehr sauber, modern, gepflegt und optimal an der Marina gelegen. Das Frühstück ist gut, wenn auch nicht allzu üppig. Täglich wird das Zimmer gemacht. Es gibt eine Minibar und Sat-Fernsehn (Dose Cola ca. 90 Cent).
Eine Kategorie besser und empfehlenswert ist das Ocean View. Das Mövenpick ist sehr weit vom Kitebeach entfernt, was aber auf Grund von den günstigen Taxipreisen kein Problem darstellt (eine Fahrt 10-20 Pfund). Außerdem gibt es einen permanenten Pendelbus, mit dem man alles kostengünstig erreichen kann. Der Fußmarsch vom Captains Inn zum Kitebeach beträgt ca. 10 Minuten und wird durch einige Bier in einer der Bars auf dem Rückweg an der Marina entlang wesentlich erleichtert. Generell sollt man sich nicht scheuen, abends Essen zu gehen und die Bars zu besuchen. Alles ist sehr günstig, gut und lecker. Auch der hygienische Standard ist erstaunlich hoch.

Finanzen etc.

An der Marina gibt es einen EC Automat (Karte sollte Meastro-Logo haben, ansonsten Kreditkarte). Der Kurs liegt ca. bei 1 : 7-8. Man kann vieles auch mit Euro oder Dollar bezahlen. Um Diebstahl etc. braucht man sich eigentlich keine Sorgen zu machen. El Gouna besitzt ein sehr gutes Krankenhaus. Es gibt ein sehr günstiges Internetcafe, welches sogar einen Anschluss für das eigene Notebook ermöglicht (10 Pfund die Stunde).

 
 

Transfer und Flughafen:

Die Hotels sind gut organisiert. Es gibt einen reibungslosen Bustransfer vom Airport zu den Hotels. Wer keine Lust auf die Kleinbusse hat, kann auch ein Taxi nehmen (ca. 15 Euro), sollte aber vorher dem Busfahrer fairerweise Bescheid geben. Diese Warten in der Regel draußen vor der Ankunftshalle. Kein Angst, alles ist ultra chaotisch, aber es funktioniert. Noch ein Tipp für die Ankunft. Auf jeden Fall den Reisepass einpacken, sonst hat man ganz schön Stress am Hals. Die Passkontrollen sind streng. Direkt nach der Ankunft kauft man sich für 15 Euro zwei Wertmarken, die man hinten in den Pass klebt. Nicht zu der Bude rennen, wo alle Schlange stehen. Die Marken bekommt man auch an den Wechselstuben. Hier aber am besten kein Geld wechseln. Danach heißt erstmal warten, bis man durch die Passkontrolle durch ist. Keine Panik, das Gepäck dauert eh! Wenn Maschinen mit Russen ankommen, dann ist das Chaos perfekt. Die kennen überhaupt kein Manieren, also schön cool bleiben! Sein Gepäck findet man entweder rechts und links vom Fließband in einer der vielen Häufchen, oder es steht noch auf dem Rollfeld. Wenn man den spektakulären Vorgang beschleunigen will, dann schaut man durch die Gepäckschleusen und kann mit ein paar Euro oder Pfunde die Jungs vom Gepäckdienst bestechen - und eh man sich versieht, hält man das Gepäck in der Hand. Aber Vorsicht, die Jungs sind ganz schön dreist. Generell sollte man immer etwas Trinkgeld zur Hand haben. Vorsicht, keine Kofferwagen annehmen, kostet Euro ;-)

Beim Abflug sollte man mindest 3 Stunden vorher in El Gouna abfahren. Es erwartet einen ein noch größeres Chaos. Man kann getrost mit 90 Minuten Anstehen einrechnen, besonders wenn die Russen mal wieder am Start sind. Man wartet vor dem Röntgen des Gepäcks, am Schalter, der Passkontrolle und dem Securitybereich. Doch keine Angst und ordentlich mitboxen!

 

Fazit:

El Gouna hat meine Erwartungen um Längen übertroffen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut und ich hatte eine sehr schöne Woche. Die freundlichen Menschen, das gute Essen, das nette Ambiente, die günstigen Preise und letztendlich die guten Kitesurfbedingungen lassen nur wenig Wünsche offen. Natürlich sollte man nicht allzu viel Individualismus und Abenteuer erwarten. El Gouna ist aber nicht nur was für Kitesurfer, so dass man auch getrost den nicht kitesurfenden Partner oder die Familie mitnehmen kann. Ich persönlich war mit Sicherheit nicht das letzte mal in El Gouna.

olli

 
 

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